Vitamin B12: parenteral, oral oder nasal? 21.03.2018
 

Vitamin B12-Mangel tritt bei älteren Personen häufig auf. Hauptursache ist eine Malabsorption von Cobalamin aus der Nahrung, meist verbunden mit einer atrophischen Gastritis und unzureichender Zufuhr von Nahrungsmitteln reich an Vitamin B12 (Fleisch, Fisch, Milchprodukt). Der Mangel manifestiert sich vorwiegend in psychischen, neurologischen und/oder hämatologischen Störungen (Reizbarkeit, Persönlichkeits-, Gedächtnisstörungen, Demenz, Depression, Parästhesien, Schwäche, Anämie).

Ein Vitamin B12-Mangel wird mit wiederholten intramuskulären Injektionen behandelt. Bei einer durch Malabsorption bedingten Karenz umfasst die Behandlung eine Ladedosis (z.B. 1000 mcg 1x/d während 1 Woche, dann 1x/Woche während 1 Monat) und anschliessend monatliche Gaben von 1000 mcg über längere Zeit.
Bei einem Mangel durch ungenügende Zufuhr reichen einige Dosen zu 1000 mcg aus, um das Depot wieder aufzufüllen.
Zur parenteralen Substitution sind in der Schweiz einfache Formulierungen und Depotpräparate registriert:
_Cyanocobalamin (Vitarubin Injektionslösung, Vitamin B12 Amino)
_Hydroxocobalamin (Vitarubin Depot): Durch die starke Bindung an Plasmaproteine verbleibt dieses Derivat länger im Organismus.

Cyanocobalamin kann, im Gegensatz zu den Depotformen, subkutan verabreicht werden. Die intravenöse Gabe wird in der Arzneimittelmonografie ebenfalls erwähnt, wird aber aufgrund der schnellen Elimination nicht empfohlen.

Bei oraler Verabreichung muss sich Cyanocobalamin an den intrinsic factor binden, um im Ileum resorbiert werden zu können. Der intrinsic factor ist ein von der Magenschleimhaut sezerniertes Glykoprotein. Studien zeigen aber, dass 1 bis 5% der oral verabreichten Dosis von Vitamin B12 durch passive Diffusion (ohne intrinsic factor) resorbiert werden. Die tägliche orale Zufuhr erhöhter Dosen könnte daher ausreichen, um einen Mangel zu beheben.
Zur oralen Substitution können 1 bis 2mg/d verabreicht werden. Voraussetzung ist die Einhaltung der Compliance und die Wahl einer geeigneten galenischen Form (siehe Doc News «Vitamin B12: orale Substitution»). Bei akuten neurologischen Symptomen oder unsicherer Compliance ist die parenterale Verabreichung zu bevorzugen.

Vitamin B12 wird nach nasaler Applikation gut resorbiert. In den USA ist ein Nasenspray unter dem Handelsnamen Nascobal® erhältlich. Mit jedem Sprühstoss werden 500 mcg Vitamin B12 abgegeben, was der allgemein empfohlenen wöchentlichen Dosis für diesen Applikationsweg entspricht. Diese galenische Form ist in der Schweiz nicht auf dem Markt, aber es sind entsprechende Magistralpräparate erhältlich.

In zwei kleineren Studien konnte die Wirksamkeit der sublingualen Gabe von Vitamin B12 bestätigt werden. Diese galenische Form steht in der Schweiz jedoch nicht zur Verfügung. Im Internet werden zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel auf Basis von Vitamin B12 zur sublingualen Einnahme beworben.

Quellen:
_Revue médicale suisse no 590/2018/p159
_PharmaFlash 4/2008 Vitamine B12 : «La piqûre fait mal, docteur...»



Links:
Doc News 5252
Vitamine B12: supplémentation par voie orale
Doc News Nr 5252
Vitamin B12: orale Substitution