Sublinguale und orodispersible Tabletten 08.07.2020
Unterschiede?

Gewisse Tablettenformen sind zur Anwendung in der Mundhöhle bestimmt. Im Allgemeinen handelt es sich um unbeschichtete Tabletten, welche sich in der Mundhöhle auflösen oder zerfallen und ohne Flüssigkeit eingenommen werden können.
Neben Lutsch- und Kautabletten unterscheidet man Sublingual- und Schmelztabletten, die beide bestimmte Eigenschaften aufweisen.

Die Sublingualtablette wird unter die Zunge gelegt. Die Sublingualtablette dient dazu, den Wirkstoff mittels Resorption über die Mundschleimhaut zu applizieren. Der Magen-Darm-Trakt und/oder der First-pass-Effekt werden dadurch umgangen und die maximale Plasmakonzentration wird allgemein schneller erreicht als nach oraler Verabreichung.
Buprenorphin beispielsweise wird nach oraler Aufnahme in der Leber rasch metabolisiert bzw. dealkyliert. Die sublinguale Gabe ermöglicht die Umgehung des First-pass-Effekts in der Leber.

Beispiele: Buprenorphin® Mepha, Minirin® Melt, Nicorette® Microtab, Subutex®, Temgesic® Sublingualtabletten

Für die optimale Wirksamkeit muss sich die Tablette unter der Zunge vollständig auflösen (z.B. Buprenorphin-Mepha 5-10 Minuten, Nicorette Microtab bis zu 30 Minuten). Sublingualtabletten dürfen weder geschluckt noch zerkaut werden, ausser Minirin® Melt, welches 10 Sekunden unter der Zunge gehalten wird und dann geschluckt werden kann. Die Verabreichung erfolgt ohne Flüssigkeit.

Die Schmelztablette wird auf die Zunge gelegt, wo sie mit dem Speichel rasch aufgelöst wird und ohne Flüssigkeit leicht geschluckt werden kann. Der Wirkstoff wird über die Magen-Darm-Schleimhaut aufgenommen.
Charakteristisch für die Schmelztablette ist ihr schneller Zerfall im Mund. Diese Arzneiform wurde für Personen mit Schluckbeschwerden und z.B. zur Einnahme auf Reisen entwickelt. Der Wirkungseintritt ist nicht schneller als bei gewöhnlichen Tabletten.

Beispiele: Dafalgan® Odis, Imodium® lingual akut, Motilium® lingual, Temesta® Expidet, Zofran® Zydis, Zomig® oro, Zyprexa® Velotab

Aufgrund ihres Herstellungsverfahrens (Lyophilisation) sind Schmelztabletten sehr zerbrechlich. Sie dürfen allgemein nicht durch Herausdrücken aus dem Blister genommen werden, sondern durch Entfernen der Aluminiumfolie. Zur Applikation via Sonde können die Schmelztabletten in etwas Flüssigkeit aufgelöst werden.

Quellen:
Pharmacie galénique  B.P., éditions Porphyre 2005, p87
Pharmacie galénique,  Bonnes pratiques de fabrication, A. Le Hir, Masson 2006, p275 /290
Bulletin d’information du CAPP N°36, Formes galéniques spéciales, 09/2005