Zeckenenzephalitis 17.07.2020
Impfung und andere präventive Massnahmen

Aufgrund der Entwicklung der epidemiologischen Lage mit zunehmenden Frühsommer-Meningoenzephalitis-Erkrankungen in den letzten Jahren gilt seit 2019 die ganze Schweiz mit Ausnahme der Kantone Genf und Tessin als Risikogebiet.
Die FSME-Impfung wird allen Erwachsenen und Kindern (im Allgemeinen ab 6 Jahren), welche in der Schweiz – ausser in den Kantonen Genf und Tessin – wohnen oder sich zeitweise dort aufhalten und die beruflich oder während der Freizeit ein Zecken-Expositionsrisiko aufweisen, empfohlen. Die Kosten für die FSME-Impfung werden bei ärztlicher Verordnung durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung bzw. bei beruflicher Exposition durch den Arbeitgeber vergütet. Eine Impfung erübrigt sich für Personen, welche kein Expositionsrisiko haben.
Bei Kindern unter 6 Jahren sind schwere Erkrankungen selten. Daher muss die Situation von Kindern im Alter von ein bis fünf Jahren individuell geprüft werden.

In der Schweiz stehen zwei inaktivierte Impfstoffe zur Verfügung (Encepur® N / Encepur® N Kinder, FSME-Immun® CC / FSME-Immun® Junior). Die hochwirksamen Impfstoffe enthalten Aluminiumhydroxid als Adjuvans zur Verstärkung der Immunantwort. Sie enthalten verschiedene Impfstämme, erzeugen aber ähnliche Antikörper, die die zirkulierenden Stämme neutralisieren. Die Grundimmunisierung umfasst drei Dosen, wobei das Impfschema je nach Produkt variiert, da es auf den jeweiligen Zulassungsstudien basiert. Die ersten zwei Dosen werden im Allgemeinen im Abstand von einem Monat verabreicht. Je nach Impfstoff wird die dritte Dosis 5-12 Monate nach der zweiten Dosis appliziert und schützt zu 95% für mindestens 10 Jahre. Damit der Impfschutz im Frühling gewährleistet ist, empfiehlt es sich, die Impfserie bereits im Winter zu beginnen. Bei Bedarf kann auch ein verkürztes Impfschema angewendet werden. Eine Auffrischimpfung wird nur noch alle zehn Jahre empfohlen.

Falls notwendig, insbesondere bei Lieferunterbrüchen, sind die beiden Impfstoffe innerhalb einer Impfserie austauschbar, wenn folgende Regeln befolgt werden: Mindestens 14 Tage zwischen den ersten 2 Dosen und 5 Monate zwischen der zweiten und dritten Dosis - ohne maximales Intervall, d.h. jede Dosis zählt ohne nach längerem Unterbruch wieder von vorne anfangen zu müssen.

Zecken können zusätzlich auch Träger von Borrelia burgdorferi, dem Erreger der Lyme-Borreliose, sein. Die FSME-Impfung bietet keinen Schutz vor dieser Krankheit und es existiert zurzeit kein spezifischer Impfstoff gegen Borreliose.
Die allgemeinen prophylaktischen Massnahmen sind auch von geimpften Personen zu befolgen, da Zecken mit dem Erreger Borrelia burgdorferi in der ganzen Schweiz bis in Höhen von 1000 (-1500) Metern zu finden sind:
_bedeckende und geschlossene Kleider (lange Ärmel, lange Hosen, Kopfbedeckung, Schuhe)
_Zeckenspray auf Kleidungsstücken und unbedeckter Haut
_nach Exposition Kleidung und Haut nach Zecken absuchen
_Zecke rasch entfernen und Einstichstelle desinfizieren. Die Entfernung der Zecke innert 24 Stunden verhindert FSME weniger wirksam als Borreliose. Im Gegensatz zu den Borrelien können die Viren bereits innert Stunden übertragen werden.

Quellen:
BAG, Schweizerischer Impfplan 2020
BAG, Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME): Ausweitung der Risikogebiete

Links:
BAG, Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
BAG, Schweizerischer Impfplan 2020